Über die Sammlung Amadei
Zu den wertvollsten Beständen der Fotosammlung des Instituts für Kunstgeschichte zählen die zahlreichen Abzüge aus der Sammlung Amadei. Dieser Bestand geht auf die Sammeltätigkeit von Graf Albert Amadei (1851–1894, Abb. 1), Beamter und Komponist, und seiner Mutter Gräfin Anna Amadei, geb. Rosty (1828–1927), Schriftstellerin und Übersetzerin, zurück. Die Fotografien zeigen Bauwerke, Gemälde und Skulpturen aus ganz Europa, von Stockholm bis Neapel, von London bis Krakau. Viele Abzüge dürften die Amadeis während ihrer ausgedehnten Reisen erworben haben, doch geht ihre Sammlung weit über eine reine Kollektion von Souvenirs hinaus. Tatsächlich handelt es sich bei der Fotosammlung Amadei um ein umfassendes, geradezu systematisch erstelltes kunsthistorisches Bildrepertorium. Alle bedeutenden Fotoateliers, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Bereich der Kunstreproduktion und Vedutenfotografie aktiv waren, finden sich durch Abzüge in der Sammlung vertreten (etwa Giorgio Sommer, James Anderson, Fratelli Alinari, Edizioni Brogi, Adolphe Baun usw.). Hervorzuheben sind hierbei die hohe Qualität und die Seltenheit, die einige dieser Abzüge auszeichnen. Glücklicherweise blieb die originale Montierung erhalten: Die Fotografien sind durchwegs auf Pappen aufgezogen und teils sorgfältig beschriftet.
Einer testamentarischen Verfügung von Anna Amadei folgend sind die Pappen rückwertig mit dem Sammlerstempel „Aus der Hinterlassenschaft des Grafen Albert Amadei“ versehen (Abb. 2). Gräfin Anna vermachte die Fotografien gemeinsam mit einer entsprechenden Handbibliothek dem damals von Josef Strzygowski geleiteten „I. Kunsthistorischen Institut“ der Universität Wien, und zwar unter der Bedingung, dass durch diesen Stempel das Andenken an ihren früh verstorbenen Sohn gewahrt werde. Bereits 1896 hatte Anna ihrem Sohn mit einem Gedichtband ein Denkmal gesetzt (Abb. 3), zudem versuchte sie, das kompositorische Schaffen von Albert in steter Erinnerung zu halten.
Aufgrund des Nachlassstempels galt Graf Albert lange als alleiniger Schöpfer der Fotosammlung. Heute wissen wir jedoch, dass seine Mutter erheblichen Anteil an dieser hatte, nicht nur selbst zahlreiche Fotografien erwarb, sondern die Pappen auch mit Beschriftungen versah.
Literatur
Abels 1908
Ludwig W. Abels, Die Sammlung Amadei, in: Erdgeist, III, 8, 1908, S. 253–257.
Papp 2009
Julia Papp, Der fotografierende Onkel und der Fotografien sammelnde Neffe. Anmerkungen zur Albert Amadei-Fotosammlung des Kunsthistorischen Instituts der Wiener Universität, in: Wiener Geschichtsblätter, LXIV, 2, 2009, S. 12–28.
Engel 2026 (im Erscheinen)
Martin Engel, Anna Amadei, in: Sebastian Schütze (Hg.), Kunstsammler*innen in Wien, Berlin 2026 (im Erscheinen).